Wieso braucht es eigentlich alte Häuser? Teil II

Der etwas andere Blick hinter die Kulissen

Der Mensch ist Jäger – und Sammler. Schon immer faszinierte es ihn, Dinge aufzuheben, zu bewahren. Aus den unterschiedlichsten Gründen. Und vermutlich kennt jede*r dieses Gefühl, wenn man mit Begeisterung den 100sten Magneten für den Kühlschrank im Andenkenshop kauft. Oder sich nur ungern von lieb gewordenen Dingen trennen muss, weil die Sammlung aus allen Nähten platzt. Denn jedes Stück, das uns begleitet, erzählt seine ganz eigene Geschichte.

Genauso ist es auch mit den Objekten einer Museumssammlung.

Innerhalb der Museumssammlungen haben sicher die für Alltagskultur eine besondere Stellung. Die Objekte dieser Sammlungen sprechen die Betrachter*innen direkter an, kommt mir vor. Sie wecken Erinnerungen, es gibt diesen Aha-Effekt, da viele der Sammlungsobjekte in der einen oder anderen Form bekannt sind.

Im Freilichtmuseum werden die Dinge auch aufbewahrt, bewusst gesammelt. Zusätzlich aber werden sie in unseren Häusern zur Gestaltung vergangener Lebens- und Arbeitswelten verwendet. Sie erhalten ein Stückchen ihres „alten Lebens“ zurück und veranschaulichen die unterschiedlichen Funktionen der Räume eines Hauses. Wenn ich mir ein Haus als Buch vorstelle, gibt es darin Kapitel – die Zimmer. Die Kapitel werden mit Seiten, den vielen verschiedenen Dingen, an denen ich erkennen kann, in welchem Zimmer ich mich befinde, gefüllt. Das Buch erzählt mit jedem Kapitel, jeder Seite eine Geschichte. Das Gleiche machen unseren Sammlungsobjekte. Sie gehörten vielen verschiedenen Menschen, kamen auf unterschiedlichsten Wegen ins Museum. Warum sich die vorherigen Besitzer davon trennten, ist im Rückblick oft nicht mehr herauszubekommen. Erhalten wir allerdings aktuelle Angebote, wird die Objektgeschichte als erstes abgefragt. Wenn wir das Was, Wie, Wo, Warum klären können, entscheiden wir, ob ein Objekt die Sammlung ergänzen kann. Geschichten, die mit einem Objekt ins Museum kommen, machen diese erst lebendig. Gerade die Objekte des täglichen Lebens erzählen so viel über den Großteil der Bevölkerung! Zeitgeschichte, Zeitgeschmack, Schicksale, Veränderungen, Möglichkeiten lassen sich an ihnen ablesen. Mit ihnen lernen wir, warum wir sind, was wir sind.

Leider lässt sich nicht alles bewahren. Vieles ging bereits unwiederbringlich verloren. Aber wer macht sich darüber tatsächlich Gedanken? Doch meist nur wir Museumsmenschen, die wir uns mit diesen besonderen Aspekten der Vergangenheit beschäftigen. Oder stört es Sie bzw. gar Ihre Kinder, dass Sie nicht mehr wissen, was ein Telefon mit Viertelanschluss ist? Hören Sie noch das Geräusch der Wählscheibe? Es gibt viele Beispiele für Grenzen des Sammelns, die auch im Museumsalltag frustrierend sein können. Seit den 1960er Jahren nimmt die Produktion immer neuer Waren immer schneller Fahrt auf. Das können alle Museen der Welt zusammen nicht leisten, alles, wirklich alles aufzuheben! Je kürzer die Lebensdauer der Objekte ist, desto weniger interessant ist seine individuelle Geschichte. Natürlich gibt es hier Ausnahmen, es ist ja auch nicht jedes unserer Sammlungsobjekte ein echter „Schatz“. Doch haben viele der bei uns in einen sozialen, geographischen, zeitlichen Zusammenhang gestellten Dinge ihre Besitzer ein Leben lang begleitet. Und wenn sie dann auf dem Dachboden oder im Keller landen, sind es die Nachkommen, die mit diesen nichts mehr anfangen können. Sie bieten sie dem Museum an.

Die Hemmschwelle, Kontakt mit dem Freilichtmuseum aufzunehmen, ist sehr niedrig! Wir können ja vermeintlich alles gebrauchen und die potentiellen Geber müssen sich weder mit der Entsorgung noch ihrem schlechten Gewissen plagen. Loswerden will man das alte Klump schon, aber das hat doch die Oma immer so gerne benutzt! Zum Frust über die Grenzen der Sammlungstätigkeit kommt an dieser Stelle der „breite Rücken“ hinzu. Aushalten können, dass wir verantwortlich gemacht werden, wenn man das jetzt endgültig zur Mülldeponie bringt.

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