Historische Kulturlandschaft im Salzburger Freilichtmuseum - Teil II

Eine Betrachtung der Hausgärten anhand historischer Quellen

Können wir unseren Besucher*innen einen Maschendrahtzaun zumuten?
Die Besuchersaison Sommer 2021 im Salzburger Freilichtmuseum ist zu Ende. Die Besucher*innen, die in den letzten Tagen noch im Museum unterwegs waren, haben bemerkt: nach und nach sind Blumentöpfe an den Häusern und Pflanzen aus den Gärten verschwunden, die landwirtschaftlichen Geräte wurden aus dem Freien unter Dach geräumt, manche Wege gesperrt. Vordergründig fällt das Museum in den Winterschlaf. Tatsächlich aber ruht die Arbeit keineswegs.

Da wäre z. B. die Weiterverfolgung unseres Projektes der historischen Kulturlandschaft. In Vorbereitung auf das kommende Frühjahr beginnt bereits jetzt die Umgestaltung ausgesuchter Gärten anhand historischer Quellen. Wir haben uns zunächst vier Gärten vorgenommen, die in verschiedenen Bereichen des Museums zu finden sind und alle einen unterschiedlichen Charakter haben.

Den historischen Fußspuren folgen
Kennen Sie z.B. den Garten der Rainerkeusche, die erst 2018 im Salzburger Freilichtmuseum eröffnet wurde? Die letzten Bewohner leben noch und konnten detailliert Auskunft geben über die Pflanzen – Gemüse, Kräuter, Blumen, aber auch Kraut und Stauden – die in ihrem Garten im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts angebaut wurden. Die Erzählung des ehemaligen Hausbesitzers, der als Kind in Wasser gebadet wurde, dem Liebstöckl aus dem Garten beigesetzt wurde, sagt uns, dass dieses Gewürz im Garten nicht fehlen darf. Die Beete bekommen wie bei allen anderen Gärten eine klare Struktur, Blüh- und Nutzpflanzen werden getrennt voneinander angepflanzt.

Während im Garten der Rainerkeusche keine großen Veränderungen vorgenommen werden müssen, soll der Schaugarten beim Bamerwohnhaus, der sich dem Thema „Färberpflanzen“ widmet, einen neuen Grundriss bekommen. Im Gegensatz zum momentanen Aussehen erhält dieser eine Kreuzform. Die historische Grundlage hierfür finden wir im Franziszeischen Kataster. Das Thema des Gartens behalten wir bei.

Unsere Besucher*innen fotografieren besonders gerne den Garten des Mesnerhauses, der durch seine Fülle an unterschiedlichen Pflanzen und seine Farbenpracht auffällt. Fülle und Farben wird es weiterhin geben, jedoch geordneter, konzentrierter, ohne die äußere Einfassung. Der pragmatisch angelegte Garten erfüllte schon zu seiner Entstehungszeit vor Ort in Bergheim verschiedene Aufgaben: aus ihm wurde der Kirchenschmuck bezogen, er diente der Mesnerfamilie als Selbstversorgergarten und in ihm fand Unterricht statt. Die Nähe zur Stadt Salzburg machte es möglich, über Samenhandlungen auf eine größere Anzahl an Gemüsesorten oder andere Blühpflanzen als in den Gebirgsregionen zurückzugreifen.

Und was denken Sie?
Die spannendste Möglichkeit, das Erscheinungsbild eines bestehenden Gartens zu verändern, bietet zur Zeit der Garten des Lohnergütls. Auch wenn historische Fotografien dies belegen – was werden Sie, liebe Besucher*innen, sagen, wenn statt des vorhandenen Hanichlzauns mit Start der nächsten Saison der Garten mit einem Maschendrahtzaun auf einem Betonsockel versehen sein wird? Stört das Ihr Bild von einem idyllischen „Bauerngarten“, das uns Landlustmagazine vermitteln? Oder bestätigen Sie uns in unserem Versuch, uns historisch genau nicht nur mit unseren Häusern, sondern auch mit der sie umgebenden Kulturlandschaft auseinanderzusetzen? Und damit gewohntes Sehverhalten zu durchbrechen?

Teilen Sie unter salzburger@freilichtmuseum.com Ihre Ansicht mit uns. Wir freuen uns darauf.

 

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