Votivgaben aus Wachs

Votivgaben

Votivgaben aus Wachs

In der Sammlung des Freilichtmuseums befinden sich zahlreiche Zeugnisse von Volksfrömmigkeit. Eine kleine Besonderheit stellen hierbei sieben verschiedene Votivgaben aus Wachs dar. Es sind dies figürliche Darstellungen von Tieren und Menschen aus der Werkstatt der Salzburger Wachswarenfabrik der Gebrüder Weinkamer.

Votivgaben werden als Dank für oder als Bitte um Hilfe in den verschiedensten Notlagen gestiftet, figürliche Votive sind als Abbild der Wirklichkeit zu verstehen. Die Form und Ausführung richtet sich dabei nach dem Zweck des "ex voto" (= des Gelübdes). Die Grenzen zwischen Frömmigkeit und Aberglauben verlaufen beim Einsatz von Votivgaben durchaus fließend, wobei Objekte aus Wachs immer eine besondere Rolle spielten. Wächserne Nachbildungen von Körperteilen sollten diese schützen oder heilen, zum Schutz vor Unwettern wurden schwarze Wetterkerzen entzündet, an Maria Lichtmess Wachsstöcke geweiht, um Krankheiten und andere Schicksalsschläge abzuwenden.

Nach der alten Ständeordnung hatte als einziger Handwerker der Lebzelter das Recht, Wachs und Honig, die Erzeugnisse der Biene, weiterzuverarbeiten. Ein solcher Lebzelter war Ignaz Weinkamer d. Ä., ein Conditor-Wachszieher- und Lebküchner-Gesell aus Kitzingen, der 1859 als Wachszieher nach Salzburg kam. In der Steingasse begann Weinkamer mit der Herstellung von Wachsfiguren, Galanteriewaren, Wachstöcken, -blumen, Sterbekreuzen und Sturzglasfiguren. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde Weinkamer zum führenden Unternehmen im k.u.k. Gebiet u.a. für wächserne Wallfahrtsandenken, Krippenfiguren und Ostereier.

Votivfiguren, Passionsszenen, Andachtsfiguren wie das "Prager Jesuskind" sowie reich verzierte Kerzen und Wachsstöcke erscheinen in den gedruckten Preislisten zu Ende des 19. Jahrhunderts, mit denen die hauseigenen Produkte beworben und weltweit exportiert wurden. Das Unternehmen wurde bis in die vierte Generation Weinkamer fortgeführt, bevor es im Jänner 1987 liquidiert wurde.

Ob in den vergangenen Wochen wohl die eine oder andere Votivgabe aus dem hintersten Winkel eines Kastens oder einer Kommode wieder hervorgeholt wurde, um Hilfe von oben gegen das Corona-Virus zu erbitten?

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